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    Horror-Crash

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    sven kyek
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    Umfrage Horror-Crash

    Beitrag  sven kyek am Di 29 Jan 2013 - 2:15

    Unfall-Bericht Nr. 01
    Früh um 06. Uhr klingelte das Telefon.
    "Ihr müsst auf die BAB 24 vor dem Wittstocker Kreuz kommen." Welche Fahrtrichtung,
    fragte ich..
    "Beide! bringt alles mit was ihr habt, viel von der Ladung ist verstreut und es sind 2 LKW mit Anhänger. Beeilt euch,es ist Vollsperrung auf Hamburger und Berliner Seite".

    Wir fuhren sofort los . 4 Abschleppwagen , 1 Werkstattwagen
    1 30 t Autokran und 2 LKW mit Abrollcontainer. Als ich vor Ort ankam staute sich der Verkehr das man dachte das Ende ist in Hamburg
    und auf der anderen Seite in Berlin. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit,bis die Polizei unsere Fahrzeuge durch die Rettungsgasse
    zur Unfallstelle gelotst hatte. Oftmals sind wir sehr zur Freude der Polizei und der Autobahnmeisterei mit unserem Tatra 8x8
    über Dörfer und Felder an die Autobahn oder Bundesstraßen zum Unfallort gelangt und der Verkehr konnte schnell wieder frei
    gegeben werden. Das war hier anders.Wenn ich nicht gewusst hätte, daß es sich um 2 Gespanne und Ladung handelt, hätte es
    auch ein voll besetztes Verkehrsflugzeug sein können,das auf der Autobahn zerschellt ist.Was war passiert ?
    Einer der LKW kam aus Hamburg . Der Fahrer hatte seinen kleinen Sohn mitgenommen. Kurz vor Wittstock ist er am Steuer
    eingenickt und mit seinem Gespann nach rechts über den Standstreifen die Böschung durch den kaum vorhandenen Straßengraben
    etwa 2 m hoch , immer noch in Fahrt gedriftet. Dann wurde er wach und lenkte,wohl um den Zug nicht umkippen zu lassen
    ohne zu bremsen nach links. Durch den Schwung mit dem er wieder auf die Bahn wollte, durchbrach er die mobile Leitplanke
    und kollidierte frontal mit dem Zug der dort im Baustellenbereich aus Richtung Berlin kam.Der hatte Ware von oder für Metro-Märkte
    geladen.

    Auf ca. 200 m lagen Trümmer , Fahrerhausteile,Glas, Kühlschränke,Gartenmöbel,Schuhe,Hundefutter , Dosen, Paletten
    und alles was so bei denen im Markt zu finden ist. Und dazwischen unendlich viele Schaulustige,Presse ,Polizei ,Autobahn-
    meisterei und mehrere Feuerwehren, Gutachter und Staatsanwaltschaft.Auf der Böschung waren Rettungshubschrauber.
    Das nicht alle 3 gerettet werden konnten,möchte ich hier nicht weiter beschreiben.

    Zuerst schnitten wir mit Notstrom und Trennschleifer unseres Werkstattwagens die Leitplanken auseinander, trennten Zuggabeln
    der Hänger durch um die umgestürzten Hänger mi dem Kran aufrichten zu können.Während etwa 10 meiner Kollegen von Hand
    die verstreute Ware in die Abrollcontainer schaffte,Öl und Diesel-Rückstände beseitigten haben wir Bremsen gelöst,Räder
    frei geflext ,die durch verbogene Metallteile blockiert waren. Nach mehreren Stunden, ich glaube es waren 7 stand alles von
    dieser Katastrophe auf unserem Hof,bzw. in Sicherstellungshallen . Kaum waren wir angekommen, meldete sich die Kripo
    und ein Gutachter bei mir. Sie suchten eine blau gestrichene Palette.Die soll sich auf dem Zug in der Mitte der Ware befunden
    haben.Die lag jetzt gut sichtbar auf der Ware in einem der Abroller. Es soll Schmuck auf der Palette gewesen sein !!
    Erst dachte ich, die haben sie doch nicht alle. Schmuck zwischen Gartenmöbeln , Badelatschen und Hundefutter. Das nächste
    was mir einfiel,war -Versicherungsbetrug-? Aber scheinbar war es doch ernst. Die hatten eine Liste mit Uhren,Ketten u.s.w.
    Sofort dachte ich an die vielen Leute die sich auf dem Schlachtfeld auf der BAB die Taschen und Beutel vollgestopft hatten.
    Aber das zu unterbinden, war ja nicht meine Aufgabe.Mit einem Beschluß ausgestattet haben wir dann mit Kripo, Gutachter
    und mehreren Kollegen beide Container ausgekippt und mit Forken , Handschuhen teilweise auf Knien rutschend,wie auf
    einem Grabbel-Tisch beim Schlussverkauf Quadratmeter für Quadratmeter alles durchwühlt. Nichts !! Irgendwie war mir das
    peinlich , weil meine Firma alles sichergestellt hatte und verantwortlich war.In 16 Jahren habe ich mit Strafandrohung dafür
    gesorgt , das sich niemand an sichergestellter Ware oder Fahzeugen vergreift.
    Und nun dies mit dem Schmuck.

    Wochen später,nachdem die Polizei auch anhand von Presse und eigenen Fotos vom Unfallort weiter ermittelt hat, fand ich meine
    Ruhe. Bei einer anderen Bergung erfuhr ich von einem Polizisten, daß der Schmuck anonym bei der Autobahnmeisterei angekommen sei....

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    Wolfi

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    Beitrag  Wolfi am So 3 März 2013 - 23:44


    na wenigstens hat sich das aufgeklärt!

    ps: war das die härteste nummer, vom aufwand her gesehen?
    ... ich würde gerne mehr über deine arbeit bei unfällen bzw bergungen lesen!



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    Umfrage Horror-Crash

    Beitrag  sven kyek am Mo 4 März 2013 - 7:28

    Ich gebe mal noch etwas zu Besten . Es muss so 1993 gewesen sein. Ich wohnte in einem Neubaublock am Rande Perlebergs in der 5. Etage . Es war Samstag und ich fuhr aus dem Büro mit dem Abschleppwagen zum Essen nach Hause . Vom Balkon aus konnte ich die B 5 die von Perleberg nach Kyritz führt , mehrere Kilometer einsehen . Ich entdeckte ca 5 km von Perleberg entfernt eine große Rauchwolke über der B 5 . Während des Essens hörte ich diverse Sirenen und dachte an einen Brand ev . neben der B 5 . Fast eine Stunde später klingelte mein Telefon . Die Polizei forderte 2 Abschleppwagen und Fahrer mit starken Nerven genau dorthin wo ich den Rauch zuvor entdeckte . Was war geschehen ? Der Lehrling eines Perleberger Autohauses wollte den Wartburg 1.3 eines Kunden kaufen . Ohne seinen Chef zu Fragen hatte er rote Kennzeichen anmontiert und machte eine Probefahrt auf der B 5 .

    Kurz vor einer Abfahrt zu einem Dorf befand sich eine Bushalte-Tasche auf der B 5 . Dort wollte der Lehrling seine Probefahrt beenden und wendete auf der B 5 . Von vorne kam ihm ein kleiner Peugot entgegen der nur noch auf die linke Spur wechseln konnte um dem Wartburg nicht in die Breitseite zu krachen . Hinter dem Wartburg 1.3 fuhr aber vorher ein Golf mit 2 Frauen und Kindern auf der Rückbank . Durch das abrupte Wendemanöver konnte der Golf nicht mehr bremsen und raste frontal mit dem entgegenkommenden Peugot zusammen . Die Insassen des Golf lagen teilweise abgedeckt auf der Straße . Die Ursache der Rauchbildung war der Peugot . Er stand ausgebrannt im Asphalt fast versunken quer zur Fahrbahn . Am Drahtring der mal das Lenkrad war saß auf einem Metallklumpen ein schwarzes Etwas das mehr nach Mumie denn nach Mensch aussah . Beim Hochheben des Autos mit dem Ladekran ist mir Löschwasser ins Gesicht gelaufen . Den Geruch vergisst man sein Leben nicht .

    Der Wartburg stand ohne einen Kratzer Richtung Perleberg in der Bustasche eingeparkt .Das Leben ist ungerecht .


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    Beitrag  RE(d)AKTIONÄR am Mo 4 März 2013 - 19:32


    das ist schrecklich.. zu schrecklich..

    hast ja ganz schön was mitgemacht.. und viel zu erzählen..

    ich würde gern mehr über schwierige bergungen lesen,
    so wie mit den lkw´s.. zb. bergungen mit schwerem gerät..usw ..




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